Negativzins auch für Privatkunden?
Derzeit profitieren Kreditnehmer und Häuslebauer von den Niedrigzinsen, denn für sie ist es günstiger geworden. Allerdings warnen Experten auch: sinken die Zinsen noch mehr und werden noch negativer, so müssen Kreditinstitute demnächst höhere Zinsen fordern. Wie weit die Banken von der expansiven Geldpolitik der EZB tatsächlich betroffen sind, hängt von dem eigenen Geschäftsmodell ab. Banken, die überwiegend im Zinsgeschäft operieren, wie beispielsweise Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen werden vermutlich langfristig Probleme bekommen. Besonders dann, wenn ihre eigenen Rücklagen und Reserven aufgebraucht sind. Dazu kommen die Verluste aus den Strafzinsen, die die Zentralbank für bei ihr geparktes Geld verlangt.
Wahrscheinlichkeit für Negativzinsen für Privatkunden steigt
Daher sollten sich auch Privatkunden schon jetzt auf eine etwaige Weitergabe der Negativzinsen einstellen. Zwar verkünden derzeit die Banken, dass sie alles dafür tun, um dieses Szenario zu vermeiden, aber je länger das gegenwärtige Zinstief Bestand hat, desto mehr steigt auch die Wahrscheinlichkeit auf eine Weitergabe der Negativzinsen. Denn Gesetzesvorschriften gibt es hierzu nicht.
Für Kunden der Alternativen Bank Schweiz (ABS) geriet im Oktober 2015 der Glaube an ihre Bank ins Wanken. In einem Brief erfuhren sie, dass sich mit Beginn des Jahres 2016 ihr Geld nicht mehr vermehrt, sondern Tag für Tag reduziert! Und das bereits ab dem ersten Franken, den sie auf ihrem Girokonto besitzen. Der Zinssatz auf dem sogenannten Alltagskonto, welches für den privaten Zahlungsverkehr genutzt wird, beträgt ab dem 1.1.2016 -0,125 Prozent. Ab einem Guthaben von 100.000 Franken beträgt der Minuszinsen sogar -0,75 Prozent – exakt der Zins, den die Schweizerische Nationalbank für Guthaben anderer Banken bei ihr fordert. Auch die VR-Bank Altenburger Land, welche auch als Deutsche Skatbank bekannt ist, berechnet von ihrem privaten Kunden einen Negativzins – aber erst ab einem sehr hohen Guthaben.
Alternative: Gebühren statt Minus-Zins
In der EU gilt die alte Weisheit, dass sich ein Bankguthaben von alleine vermehrt, nicht mehr. Zwar ist ein Negativ-Zins immer noch die Ausnahme, doch andererseits erhalten schon jetzt Kunden für ein Guthaben keinen Zins mehr. Gemäß einer Statistik der europäischen Zentralbank liegt der durchschnittliche Zins für täglich verfügbares Geld im Schnitt bei 0,12 Prozent – selbst für festangelegtes Geld gibt es kaum mehr.
Die meisten Banken versuchen ihre fehlenden Einnahmen auf klassischem Weg durch mehr Gebühren für die Kontoführung wieder wettzumachen. Indirekt findet dieser Prozess schon längst statt, indem beispielsweise die Banken ihre Gebühren erhöhen oder zumindest über eine solche Erhöhung nachdenken. Das betrifft dann beispielsweise Abhebungen von Bargeld, Ausstellungen von EC- und Kreditkarten oder andere Dienstleistungen.