Bargeldverbot: So beeinflusst es unser Leben

  • 19. Juni 2015

Negativzins bei KreditEs vergeht kaum ein Tag, an dem nicht Meldungen durch die Medien geistern, dass das Bargeldverbot bereits vor der Tür steht. Seit mehreren Jahren gibt es als Vorreiter in verschiedenen europäischen Mitgliedsländern Bargeldbeschränkungen in unterschiedlicher Höhe,  z.B. in Dänemark sind Bargeldzahlungen auf 6.700 € beschränkt, in Belgien und Slowakei auf 5.000 €, in Griechenland 1.500 €, in Spanien 2.500 €, in Italien gar nur 1.000 €, ebenso wie in Frankreich, die sich zu der Beschränkung auf 1.000 € ab Herbst 2015 bekannt haben.  In Schweden und den Niederlanden wurde teilweise das Bargeld schon 2013 abgeschafft, so haben diverse Supermarktketten kein Bargeld mehr angenommen.

Bargeldverbot zur Terrorismusbekämpfung?

Begründet wird die Bargeldbeschränkung mit dem Kampf gegen Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit und natürlich Terrorismusbekämpfung. Unter diesem Vorzeichen wird nun auch das Bargeldverbot propagiert. Grundsätzlich sind das durchaus anstrebenswerte Motive, die im Sinne der Bevölkerung sind oder zumindest sein sollten.

Aber der Terrorismus ist zu logistischen Höchstleistungen fähig. Rädelsführer sind über Jahrzehnte hin nicht greifbar oder am 11. September wurden mit Passagierflugzeugen die Twin Tower in Amerika zum Einsturz gebracht, namhafteste Firmen haben mit Cyberattacken zu kämpfen. Die Aufzählung könnte endlos weitergehen, so dass es heute sicherlich keine ernsthafte Frage sein kann, ob mit einem lapidaren Bargeldverbot dem Terrorismus Einhalt geboten werden kann. Auch für die Putzfrau, die bislang vielleicht unangemeldet sich einige Euros dazuverdient hat, wird es andere Möglichkeiten der Entlohnung geben. Interessanter wird die Frage werden, wie sich der Klingelbeutel in der Kirche in Zukunft füllt oder ob nicht auch die vielen kleinen Liebenswürdigkeiten verschwinden werden, z. B. Strassenmusikanten, Blumenmädchen oder Strassenhändler. Es wird auch interessante Diskussionen darüber geben, wie z.B. das älteste Gewerbe der Welt in Zukunft entlohnt werden wird – per Kreditkarte? Oder wird billigend in Kauf genommen, dass dieses Gewerbe verschwindet und damit Vergewaltigungen oder die häusliche Gewalt gegenüber Frauen steigt? Was wird aus den Berufen, bei denen das Trinkgeld ein fest kalkulierter Bestandteil der Entlohnung ist, wie z.B. Friseuse oder der Kellner in der Gastronomie? Werden hier die Löhne angeglichen werden müssen, wenn diese Zusatzverdienste wegfallen und damit die Preise gerade in der Gastronomie nochmals hochgeschraubt werden müssen?  Ist das wirklich, was die Deutschen wollen? Oder stehen hier die Sorgen der Politiker im Vordergrund, dass die jahrelange Misswirtschaft der Politik nicht mehr finanzierbar ist und ein Schuldenbereinigung a la Zypern vorbereitet wird?

Vielleicht ist es aber auch gar nicht schlimm und die Politik beabsichtigt mit dem Bargeldverbot nur die Wirtschaft anzukurbeln??? In jüngster Zeit ist geschehen, was Wirtschaftspropheten für undenkbar gehalten haben  – der Zins für Guthaben ist im Laufe der letzten Jahrzehnte von 6-7% auf unter Null gesunken, d.h. es gibt einen Negativzins. Sparer, die ihr Geld auf dem Konto belassen, müssen also Zinsen Zahlen! Bislang haben dieses nur einige Banken für Firmen eingeführt, die große Geldreserven auf den Konten bevorraten – aber der nächste Schritt wird sicherlich bald folgen und auch der kleine Sparer wird gezwungen, sein Geld lieber abzuheben und wieder unter der Matratze aufzubewahren. Geld abheben bei Bargeldverbot? Jetzt wird die Sache doch schon interessanter – das Bargeldverbot beschneidet den Bürger in seinen Grundrechten – kein Problem, im Zweifelsfall wird auch dieses schnell geändert. Der Sparer soll über den Negativzins gezwungen werden, sein Erspartes in Konsum umzusetzen und damit die Wirtschaft ankurbeln! Überhitzt die Wirtschaft, wird der Zins wieder angehoben und der Sparer wieder zum Konsumverzicht motiviert – worauf die Wirtschaft wieder abkühlt. Alleine die Deutschen haben mehr als 10 Billionen Euro Vermögen, d.h. alleine die deutschen Bürger könnten die Staatsschulden aller 27 Mitgliedsländer der EU decken …

Wo Regierungen wie Griechenland in der Krise jeden Cent zusammenkratzen, haben die Deutschen mehr als 10 Billionen Euro Vermögen (davon etwa 4,7 Billionen Bargeldvermögen) zusammengetragen. Aktuell ist die jetzige Generation die reichste Generation seit der Nachkriegsjahre. Würde man die deutsche Staatsverschuldung von etwa 2 Billionen abziehen, blieben immer noch 8 Billionen übrig . Kein Wunder also, dass es den Politikern, aber auch Banken und Konzernen danach giert, diesen Reichtum über direkten Zugriff oder Konsum umzuschichten.